Linux Foundation End User Summit: Filesystem BTRFS und neue Wissensdatenbank
17.10.2008
Die Linux Foundation zieht positive Bilanz ihres ersten End User Summit in New York am 14. und 15. Oktober, wobei der Begriff "End User" nicht in erster Linie den Privatanwender bezeichnet: Unter den Teilnehmern waren zahlreiche Unternehmen und Organisationen.
Nach eigener Aussage war die gemeinnützige Stiftung positiv überrascht über die vielen Teilnehmer aus der Finanzbranche, die trotz der aktuellen Krise an der Wall Street zu dem Treffen kamen, darunter Merrill Lynch, UBS, JPMorgan Chase, Citigroup oder Credit Suisse. In seiner Zusammenfassung vermutet die Organisation sogar einen Zusammenhang und orakelt: "Vielleicht sind Unternehmen gerade in diesen Zeiten darauf angewiesen, das meiste aus ihren Investitionen zu machen."
Zu den inhaltlichen Höhepunkten der Veranstaltung zählt die Linux Foundation die Präsentation von BTRFS, dem neuen Filesystem für Linux. Eine Arbeitsgruppe unter dem Dach der Stiftung arbeitet derzeit an dem neuen Dateisystem, das insbesondere den wachsenden Datenmengen in Unternehmen Rechnung tragen soll. Entwickler von IBM, Intel, Novell und anderen Unternehmen unter der Leitung von Oracle wollen bis Ende des Jahres eine Version zur Kernel-Reife bringen. Parallel dazu stellte Ted T'so das von ihm betreute Ext-4-Dateiystem in seiner aktuellen Version vor; diese ist bereits in den Torvaldschen Kernelzweig aufgenommen. In den Präsentationen zu dem neuen Dateisystem lag ein Schwerpunkt auf Sicherheitsaspekten und Vorkehrungen gegen möglichen Datenverlust. Zu den neuen Funktionalitäten gehören beispielsweise ein Tool zur Überprüfung der Datenintegrität sowie die Unterstützung von Prüfsummen für Daten und Metadaten in Ext 4, BTRFS und XFS. Außerdem berichten die Entwickler, dass Fsck auf Ext-4-Partitionen deutlich beschleunigt wurde.
Das Treffen diente aber nicht allein zur Information der Anwender, auch die Linux-Entwickler sollten von dem Austausch profitieren. Teilnehmer aus der Finanzbranche berichteten über ein relativ häufiges Einsatzszenario, bei dem eine große Zahl mittelgroßer Knoten in einem Datencenter jeweils geringe Datenmengen auf lokalen Festplatten gehalten werden, verwaltet mit Netzwerk-File-Systemen (NFS oder AFS). Für diese Zielgruppe ist die aktuelle Entwicklungsarbeit an parallelen NFS besonders interessant, ebenso wie die Arbeit an persistentem NFC-Client-Caching. Beide Themen sind derzeit in Entwicklung. Damit Unternehmen schneller von aktuellen Entwicklungen profitieren können, baten die Entwickler ihre Hilfe bei der technischen Prüfung von Entwickler-Kerneln an. Berichten zufolge nahm eine große Bank das Angebot an und versprach, anschließend über die Erfahrungen zu berichten.
Gleichfalls ein Ergebnis des Informationsaustauschs ist eine neue Arbeitsgruppe zum Thema System-Management. Die Linux Foundation will die in der Veranstaltung formulierten Anforderungen zu Anwendungsfällen verarbeiten und diese den Entwicklern und Herstellern zur Verfügung stellen.
Auch für den Privatanwender interessant dürfte das Thema Hardware-Treiber sein. Wie auch schon beim "Annual Linux Foundation Collaboration Summit" im Frühjahr 2008, appellierten die Open-Source-Vertreter an die Großabnehmer, ihren Einfluß bei Hardware-Herstellern zu nutzen und sich für Open-Source-Treiber einzusetzen. Gleichfalls dürfte eine neue Wissensdatenbank nicht nur für Unternehmen interessant sein: Die Linux Foundation plant eine neue Informationsplattform auf ihrer Webseite, um den Anwendern das breite Spektrum und zahlreichen Einsatzmöglichkeiten freier Software transparent zu machen.
Im umfangreichen Vortragsprogramm gab es unter einen Vortrag zum Thema Cloud Computing, in dem der IBM-Mitarbeiter Gerrit Huizenga erklärte, warum gerade Linux das richtige Betriebssystem für die Wolke sei. Andere Vertreter der Open-Source-Szene dürften dieses Thema eher skeptisch betrachten. Der Urvater der Freien Software, Richard Stallman, bezeichnete das Prinzip der der gemieteten IT-Dienstleistung vor kurzem als Falle und warnte vor den Auswirkungen.
Im November will die Linux Foundation ausführlich über die Ergebnisse der Veranstaltung berichten.
(Britta Wülfing)
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