SLES erhält IPv6-Zertifikat vom US-Verteidigungsministerium
17.06.2008
Der Suse Linux Enterprise Server (SLES) von Novell ist als erstes Linux-Produkt auf der offiziellen Empfehlungsliste des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums als IPv6-tauglich gelistet. Auch deutsche Behörden arbeiten an der Umstellung auf das neue Internet-Protokoll.
Seit einigen Tagen steht auf der Empfehlungsliste mit Namen U.S. Department of Defense Unified Capabilities Approved Product List, oder kurz: APL, die Unternehmensvariante des Linux-Betriebssystems von Novell. Laut der Pressemeldung des amerikanischen Linux-Distributors ist dies dem Service Pack 2 für SLES 10 zu verdanken. Mit den Ergänzungen zum aktuellen Betriebssystem von Novell hat das Ministerium die Software gemäß den hauseigenen Anforderungen an die Interoperabilität mit dem Internet Protocol Version 6 (IPv6) zertifiziert. Die Behörde will damit sicherstellen, dass das Betriebssystem die aktuellen und kommenden Standards für den Netzwerkbetrieb erfüllt. Die APL-Liste soll für die Beschaffung in allen US-amerikanischen Bundesbehörden zwingende Voraussetzung werden. „Bundesaufträge für aktualisierte IT-Infrastruktur bedeuten häufig teure Upgrades für Regierungsbehörden, Vertragspartner und andere Agenturen,“ erklärt der zuständige Novell-Produktmanager Carlos Montero-Luque. Weil die Behördenkunden ihre vorhandenen Suse-Enterprise-Server mittels des kostenlosen Service Pack 2 auf diesen Stand bringen können, preist er den Kostenvorteil der Novell-Lösung.
Wie Novell mitteilt, sollen alle US-amerikanischen Bundesbehörden folgend einer Regierungsanweisung ihre Netzwerkstrukturen bis Juni 2008 auf den neuen Internetstandard IPv6 aktualisieren. IPv6 ist das Nachfolgeprotokoll zu dem derzeit noch überwiegend verwendeten Internet Protokoll Version 4. Beide Protokolle sind Standards und regeln die Adressierung und das Routing der Datenpakete durch das Netz. Das neue Protokoll IPv6 ist in erster Linie nötig geworden, weil Ipv4 mittlerweile nicht mehr ausreichend Platz für Internetadressen bietet.
Das Linux-Magazin Online fragte im Auswärtigen Amt nach, ob es in deutschen Behörden vergleichbare Vorschriften gäbe. Werner Langer, IT-Stratege im Auswärtigen Amt, sind derzeit keine ähnlichen Richtlinien bekannt. Seiner Meinung nach würde dies allerdings auch kein Problem darstellen, da alle ihm bekannten Linux-Varianten ebenso wie Microsoft Windows heute Ipv6-fähig sind. Weitergehend als die US-amerikanischen Bemühungen ist auf bundesdeutscher Ebene aktuell das Projekt "Deutschland Online Infrastruktur". Unter der Leitung des Bundesinnenministeriums sollen deutsche Verwaltungsbehörden auf allen Ebenen ein einheitliches Kommunikationsnetz erhalten: Bund, Länder und Kommunen sollen damit für das Internet der Zukunft gerüstet werden, und ein Teilaspekt hiervon ist auch die Umstellung auf das neue Internet Protokoll IPv6.
(Britta Wülfing)
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